1995 wollten zwei Frauen einfach nur mit dem Spinnrad Wolle verspinnen, erinnert die heutige Vorsitzende Waltraud Koller an die Anfänge. Doch daraus sollte schnell mehr werden. Mit Hilfe des damaligen Vorstands wurde ein Jahr später eine eigenständige Arbeitsgruppe aus der Taufe gehoben – mit vier Frauen. Heute sind es 18 und zwei Männer. Sie spinnen, mit Vorliebe. Endlose Meter Garn auf alten Spinnrädern. Bis zu neun dieser Räder drehen sich regelmäßig im Heimathaus an der Bergstraße, wenn sich die Gruppe an jedem letzten Donnerstag im Monat zwischen 19 und 21 Uhr trifft. Dann klappern außerdem zahlreiche Stricknadeln, äußerst geschickt wird gehäkelt, es wird erzählt und gelacht.

Und es entstehen neben den beliebten kuscheligen Wintersocken aus eigenem gesponnenen Garn auch Häkeldecken, Handanger, Leinendecken mit Häkelspitzen, Ajourdecken und Handtücher. Immer mit Blick auf die Märkte, auf denen diese hochwertigen Handarbeiten ihre Liebhaber finden sollen. Die geben sich nicht nur beim Weihnachtsmarkt in der Stadtsparkasse ein Stelldichein; die Spinn- und Handarbeitsgruppe ist mittlerweile auch fester Bestandteil des Weihnachtsmarktes auf Gut Erpenbeck. Außerdem steht seit drei Jahren auch das Bärenfest in Ladbergen im Terminkalender. Dazu kamen bislang Ausstellungen bei weiteren Lengericher Veranstaltungen wie Automarkt oder beim Wandertreffen in der Gempt-Halle.

In der Regel trifft sie sich an jedem 4. Donnerstag des Monats im Heimathaus. In den Wintermonaten trifft sich die muntere Truppe wohl auch zweimal monatlich im Heimathaus. Doch reicht diese Zeit beileibe nicht aus, um die anstehenden Ausstellungen so reichhaltig zu bestücken. Daher sitzen die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe noch oft daheim an ihren Handarbeiten. Wer Spaß an dieser filigranen Handarbeit hat und mitspinnen und mitstricken möchte, sollte sich bei Waltraud Koller, Tel.: 05451/16997, melden, um dann auch einmal auf die Frage „spinnst du?“ lässig antworten zu können: „Ja sicher, mit Vorliebe.“

 

Die junge Generation kann sich heute kaum noch ein Bild machen über
alte Handwerkskünste und Traditionen. So hat es sich die Spinn- und Handarbeitsgruppe im Heimatverein Lengerich jetzt zur Aufgabe gemacht, Kindern der Offenen Ganztagsschule Intrup in mehrere Unterrichtsstunden zu zeigen, wie Wolle zu Garn gesponnen und weiterverarbeitet wird. Und ihnen somit klarzumachen, dass Wollsocken früher nicht wie heute selbstverständlich aus dem Kaufhaus kamen. Die Grundschulkinder ließen
sich nicht lange bitten und setzten sich mit Freude an die Spinnräder.
Foto: Joana Karow

Stand: 16.09.2007
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